Tarif & Gehalt
TV-V Stadtwerke Gehalt 2026 — Der Tarifvertrag Versorgungsbetriebe
Aktualisiert am 19. Mai 2026 · Lesezeit ca. 12 Minuten · Autor:Tim Haver, Geschäftsführer Mission Personal GmbH
Kurz gefasst
TV-V ist der Tarifvertrag für Versorgungsbetriebe (Stadtwerke, Energieversorger). Er gilt für rund 60.000 Beschäftigte in 350+ Stadtwerken in Deutschland. Die Entgelte liegen in technischen Berufen oft über TVöD-VKA — wegen Branchenzuschlägen für Schichtdienst, Bereitschaft und Spezialkenntnissen Energie. 10 Entgeltgruppen, volle Jahressonderzahlung von 100 Prozent. Stand 2026.
Was ist der TV-V? Der Tarifvertrag der Versorgungswirtschaft
Der TV-V — kurz für Tarifvertrag Versorgungsbetriebe — ist ein eigenständiger Tarifvertrag zwischen der VKA (Vereinigung kommunaler Arbeitgeberverbände) und der Gewerkschaft ver.di. Er gilt für rund 60.000 Beschäftigte in deutschlandweit über 350 Stadtwerken, Energieversorgern und kommunalen Versorgungsbetrieben. Anwendung findet er in den Sparten Strom, Gas, Wasser, Fernwärme, Abwasser und teilweise auch im ÖPNV.
Anders als der TVöD-VKA, der die klassische kommunale Verwaltung abdeckt, ist der TV-V speziell auf die Realität der Versorgungswirtschaft zugeschnitten: 24/7-Betrieb, technische Spezialisierung, hohes Mass an Bereitschaftsdienst, KRITIS-Verantwortung. Genau das spiegelt sich in den Entgelten, den Zuschlägen und der Eingruppierungslogik wider.
Rund 60-70 Prozent aller deutschen Stadtwerke wenden TV-V an — der Rest meist TVöD-VKA oder Haustarifverträge. Beispiele für TV-V-Anwender sind die Stadtwerke München, RheinEnergie Köln, Mainova Frankfurt, Stadtwerke Hannover, MVV Mannheim oder die Stadtwerke Leipzig. Welcher Tarif für eine konkrete Stelle gilt, sollte im Bewerbungsgespräch immer geklärt werden — gerade bei Konzernen mit Tochter-GmbHs kann sich das innerhalb desselben Hauses unterscheiden.
TV-V Entgelttabelle 2026 — alle 10 Entgeltgruppen
Die TV-V-Entgeltordnung kennt 10 Entgeltgruppen (TV-V 1 bis TV-V 10). Innerhalb jeder Gruppe gibt es keine starren 6 Stufen wie im TVöD-VKA, sondern Erfahrungssprünge — das Gehalt steigt kontinuierlich nach Berufsjahren, Bewährung und Übertragung höherwertiger Tätigkeiten. Die folgenden Werte spiegeln die TV-V-Tabelle 2026 nach der letzten Tarifrunde (Erhöhung +1,25 Prozent ab Juni 2026) wider und sind Bruttowerte ohne Zuschläge und Sonderzahlungen.
| Gruppe | Typische Beschäftigtengruppe | Anfang | Ende |
|---|---|---|---|
| TV-V 1 | An- und ungelernte Tätigkeiten (Reinigung, einfache Hilfstätigkeiten Bauhof) | 2.040 € | 2.380 € |
| TV-V 2 | Angelernte Kräfte mit kurzer Einarbeitung (Lagerlogistik, einfache Wartung) | 2.310 € | 2.720 € |
| TV-V 3 | Fachkräfte mit abgeschlossener Ausbildung — erste Berufsjahre (Anlagenmechaniker, Rohrleitungsbauer) | 2.640 € | 3.140 € |
| TV-V 4 | Facharbeiter mit Erfahrung (Elektroniker Betriebstechnik, Mechatroniker, Wassermeister-Assistenz) | 2.980 € | 3.520 € |
| TV-V 5 | Facharbeiter mit Spezialisierung oder Vorarbeiter (Monteur Wasser/Gas, Netzelektriker, KFZ-Mechatroniker ÖPNV) | 3.260 € | 3.870 € |
| TV-V 6 | Meister / Techniker im operativen Bereich (Netzmeister, Anlagentechniker, Schichtführer Klärwerk) | 3.590 € | 4.280 € |
| TV-V 7 | Bachelor / Ingenieur Berufseinsteiger (Energie-, Versorgungs-, Elektrotechnik, Bauingenieur) | 3.940 € | 4.680 € |
| TV-V 8 | Ingenieur mit Berufserfahrung / Teamleitung Wartung & Betrieb (Netzführung, Erzeugung, Smart-Grid) | 4.350 € | 5.150 € |
| TV-V 9 | Bereichsleitung / Senior-Ingenieur (Asset-Management Netze, Energiehandel, KRITIS-Verantwortliche) | 4.820 € | 5.620 € |
| TV-V 10 | Werkleitung / Geschäftsbereichsleitung (Vertrieb, Erzeugung, Netz; unterhalb Geschäftsführung) | 5.320 € | 5.800 € |
Werte gerundet, Brutto pro Monat, Stand 2026. Quelle: VKA-Tarifabschluss + ver.di. Tatsächliches Gehalt kann haustariflich abweichen und enthält noch keine Schicht-, Bereitschafts- und Funktionszulagen.
TV-V vs. TVöD-VKA — was kommt für gleiche Position raus?
Für viele Stadtwerks-Berufe ist die spannendste Frage: lohnt sich der TV-V gegenüber dem TVöD-VKA überhaupt? Auf den ersten Blick wirken die Grundgehälter ähnlich. Der Unterschied entsteht durch zwei Hebel — die etwas höhere Grundvergütung in technischen Funktionen, vor allem aber die viel grosszügigeren Zuschläge und die volle Jahressonderzahlung von 100 Prozent.
| Position | TVöD-VKA | TV-V | Unterschied |
|---|---|---|---|
| Sachbearbeitung Vertragsmanagement | E 8 = ca. 3.560 € | TV-V 4 = ca. 3.520 € | Nahezu identisch — kein Schichtzuschlag |
| Monteur Wasser/Gasnetz | E 6 = ca. 3.380 € | TV-V 5 = ca. 3.500 € | +120 € Grundgehalt + Rufbereitschaft 18-25 % |
| Elektroniker Betriebstechnik Netze | E 7 = ca. 3.580 € | TV-V 5 = ca. 3.700 € | +120 € + Schichtzulage 20-30 % |
| Netzmeister Strom | E 9b = ca. 4.150 € | TV-V 6 = ca. 4.250 € | +100 € + Bereitschaft + Spezialfachkraft-Zulage |
| Ingenieur Energieversorgung | E 11 = ca. 4.640 € | TV-V 8 = ca. 4.800 € | +160 € + Energiewende-Zulage möglich |
| Senior-Ingenieur KRITIS / IT/OT-Security | E 12 = ca. 5.130 € | TV-V 9 = ca. 5.300 € | +170 € + IT/OT-Sicherheits-Zulage |
Faustregel: Je technischer und schichtlastiger die Stelle, desto attraktiver der TV-V. Reine Sachbearbeitungsstellen (kaufmännisch, Kundenservice, Personalwesen) liegen oft auf TVöD-Niveau oder sogar leicht darunter. Wer dagegen im operativen Netzbetrieb, Klärwerk, Heizkraftwerk oder in der Energiewende-Projektarbeit tätig ist, fährt mit TV-V regelmässig 5-15 Prozent besser.
Branchenzuschläge im TV-V — der eigentliche Gehaltshebel
Der TV-V-Aufbau erkennt explizit an, dass Versorgungsbetriebe rund um die Uhr laufen und ohne flexible Schichtmodelle, Bereitschaft und Spezialqualifikationen nicht funktionieren. Diese Verantwortung wird über Zuschläge separat vergütet — und genau hier zeigen sich die wirklichen Gehaltsunterschiede zum klassischen kommunalen Tarif:
Schichtzuschläge
Nachtarbeit (22-6 Uhr) 20 bis 30 Prozent Zuschlag auf den Stundenlohn. Wechselschicht-Pauschale zusätzlich monatlich 105-155 €. Trifft Mitarbeitende in Klärwerken, Heizkraftwerken, Netzleitstellen und Wasserwerken.
Relevant für: Klärwerk, Heizkraftwerk, Netzleitstelle, ÖPNV-Fahrdienst
Wochenend-Zuschläge
Samstagsarbeit zwischen 13 und 21 Uhr: 25 Prozent. Sonntags- und Feiertagsarbeit: 35 Prozent bzw. bis zu 135 Prozent an gesetzlichen Feiertagen. Für planmässige Wochenendschichten kumulierbar mit Wechselschicht-Pauschale.
Relevant für: Versorgungsleitstellen, Wasserwerke, ÖPNV, Müllabfuhr
Bereitschaftsdienst-Pauschale
Pauschale pro Bereitschaftsstunde (oft 18-25 Prozent des Stundenlohns) plus Vergütung tatsächlicher Einsätze als Mehrarbeit mit Zuschlag. Bei Stadtwerken meist 1 Woche Bereitschaft pro Monat — verlässlich planbarer Zusatzverdienst von 350-700 € monatlich.
Relevant für: Netzmonteure Strom/Gas/Wasser, Anlagentechniker
Energiewende-Zulage (neu ab 2024/25)
Tariflich verankerte Zulage für Spezialistinnen in Photovoltaik-, Windkraft-, Wärmepumpen-, Wasserstoff- und Speichertechnik. 150-450 € monatlich. Bei vielen Stadtwerken haustariflich geregelt oder als ausserordentliche Zulage gemäss § 13 TV-V.
Relevant für: Erneuerbare-Spezialisten, Wärmewende-Projektleitung
IT/OT-Sicherheits-Zulage (KRITIS)
Für Mitarbeitende in der Absicherung kritischer Infrastrukturen nach BSI-KritisV — Leittechnik, SCADA, Smart Meter Gateway Administration, OT-Forensik. 200-600 € monatlich, häufig kombiniert mit Schichtzuschlägen.
Relevant für: IT-Sicherheit, Leittechnik, Netzleitwarte
Spezialfachkraft-Zulagen
Diverse Funktionszulagen: SF6-Schaltberechtigung, Druckluftatmer-Träger, Schweissfachingenieur, Sachkundige Person nach DGUV-V 3 oder DIN 14675. Je Funktion 80-250 € monatlich, mehrere kumulierbar.
Relevant für: Hochspannung, Gas-/Wassernetzbau, Brandmeldetechnik
Warum Stadtwerke jetzt wichtiger denn je sind
Die Energie- und Wärmewende verändert die Aufgabenstellung kommunaler Versorger fundamental. Wo früher Strom, Gas und Wasser als Standardprodukte verteilt wurden, müssen heute parallel Photovoltaik, Wärmepumpen, Quartiersnetze, Wasserstoff-Erprobung, Lade-Infrastruktur, Smart Meter Gateways und kommunale Wärmeplanung gestemmt werden. Hinzu kommt die regulatorische Verschärfung durch KRITIS (BSI-KritisV 2.0) und die NIS2-Umsetzung — kritische Infrastrukturen unterliegen Cyber-Security-Pflichten, die zusätzliche IT/OT-Fachkräfte erfordern.
Drei Konsequenzen für den Arbeitsmarkt:
- Massiver Fachkräftemangel: Der VKU schätzt, dass den deutschen Stadtwerken bis 2030 rund 100.000 Fachkräfte fehlen werden — besonders Elektroniker, Anlagentechniker, Energieingenieure, Wärmenetz-Planer und IT/OT-Sicherheit.
- Steigende Gehälter: In den letzten drei Tarifrunden sind die TV-V-Entgelte deutlich stärker gestiegen als das Inflationsmittel. Energiewende-Zulagen und Sonderzahlungen für KRITIS-Verantwortliche werden zur Standard-Verhandlungsmasse.
- Karriere-Sprungbrett: Wer heute bei einem Stadtwerk in einer Schlüsselposition der Energiewende einsteigt, hat in 5-10 Jahren faktisch Standortsicherheit, da Stadtwerke aus der lokalen Wertschöpfung nicht wegzudenken sind.
Karrierepfade bei Stadtwerken — von der Ausbildung bis zur Bereichsleitung
Stadtwerke bieten einen der durchlässigsten Karrierepfade im kommunalen Bereich. Vom Auszubildenden bis zur Werkleitung verläuft die Entwicklung in klaren Stufen — meist mit hauseigener Aus- und Weiterbildung:
1. Ausbildung
Auszubildende/r (z. B. Elektroniker Betriebstechnik, Anlagenmechaniker, Kaufmann/-frau für Büromanagement)
Gehalt: 1.218 € (1. Lj.) bis 1.377 € (3./4. Lj.) nach TVAöD
Typische Dauer: 3 - 3,5 Jahre
2. Geselle / Junior-Fachkraft
Facharbeiter Wasser, Netzmonteur, Anlagenfahrer, Anlagentechniker
Gehalt: TV-V 3-4 (ca. 2.640 - 3.520 €)
Typische Dauer: 2 - 5 Jahre
3. Spezialisierte Fachkraft
Spezialist mit Schaltberechtigung, Schweissfachkraft, Schichtführer, Erste-Hilfe-Beauftragter
Gehalt: TV-V 5 (3.260 - 3.870 €) + Zulagen
Typische Dauer: ca. 4 - 8 Jahre nach Ausbildung
4. Meister / Techniker
Netzmeister, Anlagentechniker, Schichtführer Klärwerk, Vorarbeiter
Gehalt: TV-V 6 (3.590 - 4.280 €) + Bereitschafts- & Funktionszulagen
Typische Dauer: nach Aufstiegsfortbildung (1-2 Jahre)
5. Wartungs- / Bereichsleitung
Teamleitung Netzbau, Wartungsleitung, Erzeugungs- oder Anlagenleitung
Gehalt: TV-V 7-8 (3.940 - 5.150 €)
Typische Dauer: Aufstieg nach 8-12 Berufsjahren
6. Bereichs- / Werkleitung
Leiter Netzbetrieb, Asset-Management, Energiehandel, Werkleitung
Gehalt: TV-V 9-10 (4.820 - 5.800 €) + ausserordentliche Zulagen
Typische Dauer: Senior-Führungskraft, 15+ Jahre
Praxisbeispiel — Thomas, 32, wechselt von der Industrie zu den Stadtwerken
Case Study
Thomas, 32, ausgebildeter Elektroniker für Betriebstechnik mit 8 Jahren Berufserfahrung, arbeitet bei Siemens in der Energietechnik nach IG-Metall-Tarif. Bruttogehalt aktuell: 4.180 €. Er wechselt zu den Stadtwerken Münster auf eine Stelle als Netzelektriker im Schichtdienst.
Vorher (IG Metall)
- Grundgehalt: 4.180 €
- Urlaubsgeld: 70 % eines Monatsgehalts
- Weihnachtsgeld: 55 %
- Urlaub: 30 Tage
- 35-Std.-Woche
- Betriebsrente Metall-Rente
Nachher (TV-V 5)
- Grundgehalt: 3.700 €
- Schichtzulage: +480 €
- Bereitschaftspauschale: +520 €
- Jahressonderzahlung: 100 % (rund 3.700 €)
- Urlaub: 30 Tage
- 39-Std.-Woche
- VBL-Betriebsrente
Fazit: Monatliches Brutto inkl. regelmässiger Schicht- und Bereitschaftszuschläge: rund 4.700 € — leicht über dem Industrieniveau, aufs Jahr gerechnet plus rund 1.200 € mehr Jahressonderzahlung. Plus VBL-Betriebsrente, Unkündbarkeit ab 15 Jahren, faktische Standortsicherheit. Thomas gewinnt vor allem an Stabilität und langfristiger Planbarkeit — ohne dass er beim laufenden Einkommen verliert.
Arbeitszeit, Urlaub und Sonderregelungen im TV-V
Die wichtigsten Eckdaten zum TV-V im Überblick:
Wöchentliche Arbeitszeit
39 Stunden / Woche im Tarifgebiet West, 40 Stunden / Woche im Tarifgebiet Ost. Bei Schichtdienst entsprechend reduzierte Sollzeit.
Urlaub
30 Tage Jahresurlaub bei 5-Tage-Woche, plus Zusatzurlaub bei Wechselschicht (bis 4 Tage zusätzlich).
Jahressonderzahlung
100 % eines Oktobergehalts für alle Gruppen — Auszahlung mit November-Lohn.
Probezeit
6 Monate. In der Probezeit Kündigungsfrist 2 Wochen zum Monatsende.
Kündigungsschutz
Nach 15 Jahren und ab 40. Lebensjahr unkündbar (ausser bei wichtigem Grund).
Betriebsrente
VBL-Pflichtversicherung — durchschnittlich 5-8 % zusätzliche Altersversorgung auf das Bruttogehalt.
Weiterführende Themen
Wer sich mit TV-V beschäftigt, hat oft auch Fragen zum Vergleich mit anderen Tarifsystemen, zur Eingruppierung oder zur Auszahlungslogik der Jahressonderzahlung. Unsere passenden Ratgeber dazu:
Quellen & weiterführende Information
- Verband kommunaler Unternehmen (VKU) — Branchenverband der kommunalen Versorgungswirtschaft, aktuelle Tarif- und Fachkräfte-Statistiken.
- ver.di Bereich Ver- und Entsorgung — gewerkschaftliche Sicht auf TV-V, aktuelle Tarifverhandlungen und Forderungspakete.
- VKA — Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände — offizielle Tarifabschlüsse und Bekanntmachungen zum TV-V.
- Bundesnetzagentur — Statistiken zu Versorgungssicherheit und Personalbedarf in der Energieversorgung.