Im Tarifvertrag öffentlicher Dienst entscheiden die Forderungen der Gewerkschaften darüber, wie viel Millionen Beschäftigte bei Kommunen, Ländern und dem Bund verdienen – und das betrifft auch Sie direkt. Mehr als 5 Millionen Menschen arbeiten im öffentlichen Dienst in Deutschland und warten in jeder Tarifrunde gespannt auf die Ergebnisse. Dieser Artikel erklärt Ihnen, welche Forderungen aktuell im Raum stehen, wie die Verhandlungen zwischen TVöD und TV-L ablaufen und was das für Ihr Gehalt 2026 bedeutet.
- Was sind Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst?
- Gewerkschaftliche Forderungen 2026 im Detail
- TVöD (VKA) vs. TV-L: Unterschiedliche Forderungsrunden
- Gehaltsentwicklung im öffentlichen Dienst: Tabelle 2026
- Was bedeuten die Tarifergebnisse für Beschäftigte?
- FAQ: Häufige Fragen zu Tarifvertrag und Forderungen
- Fazit & aktuelle Stellenangebote
Was sind Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst?
Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst sind strukturierte Verhandlungsrunden, in denen Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände gemeinsam Löhne, Arbeitszeiten und Arbeitsbedingungen für Millionen von Beschäftigten festlegen. Das Ergebnis gilt dann verbindlich für alle unter den jeweiligen Tarifvertrag fallenden Beschäftigten – ob in der Stadtverwaltung, im Jugendamt oder im kommunalen Fuhrpark.
Definition: Was ist ein Tarifvertrag im öffentlichen Dienst?
Ein Tarifvertrag öffentlicher Dienst ist eine rechtlich bindende Vereinbarung zwischen Gewerkschaften (vor allem ver.di und dbb) und den jeweiligen Arbeitgebern (Bund, Länder, Kommunen). Er regelt Mindestlöhne, Entgeltgruppen, Urlaubsansprüche, Arbeitszeiten und Sonderzahlungen. In Deutschland existieren im Kern drei große Vertragswerke: der TVöD für Bund und Kommunen, der TV-L für die meisten Länder sowie Sondertarifverträge wie der TV-Ärzte.
Wer verhandelt die Forderungen?
Auf Arbeitnehmerseite sind es vor allem die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) und der dbb Beamtenbund und Tarifunion. Auf Arbeitgeberseite stehen bei Kommunen die Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) und bei Ländern die Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL). Beide Seiten benennen ihre Forderungen öffentlich, bevor die Verhandlungsrunden beginnen – typischerweise mehrere Monate im Voraus. Laut praktischkommune.de zählen Gehaltserhöhungen, Einmalzahlungen und verbesserte Arbeitsbedingungen regelmäßig zu den Kernforderungen.
Gewerkschaftliche Forderungen 2026 im Detail
Die Gewerkschaften formulieren ihre Forderungen für den Tarifvertrag öffentlicher Dienst 2026 auf Basis von Inflationsdaten, Reallohnentwicklung und dem Fachkräftemangel im öffentlichen Sektor. Die zentralen Forderungen lassen sich in drei Bereiche gliedern.
Lohnforderungen: Prozent vs. Sockelbetrag
Gemäß den Ankündigungen von ver.di und dbb für die Tarifrunde 2026 stehen folgende Forderungsblöcke im Mittelpunkt:
- Prozentuale Lohnerhöhung: Eine Anhebung der Tabellenentgelte um mindestens 8 % wird angestrebt, um den Reallohnverlust der Vorjahre durch Inflation auszugleichen.
- Mindestbetrag/Sockelbetrag: Zusätzlich wird ein monatlicher Sockelbetrag von mindestens 300 Euro gefordert, um insbesondere niedrige Entgeltgruppen (EG 1–6) überproportional zu entlasten.
- Laufzeit: Die Gewerkschaften bevorzugen kürzere Laufzeiten von 12 Monaten, um schneller auf wirtschaftliche Veränderungen reagieren zu können. Arbeitgeber streben hingegen längere Laufzeiten von 24–36 Monaten an.
Strukturelle Forderungen: Mehr als nur Geld
Neben Gehaltserhöhungen stehen 2026 auch strukturelle Verbesserungen auf der Agenda:
- Erhöhung des Urlaubsanspruchs auf mindestens 30 Tage für alle Beschäftigten
- Verbesserungen bei der betrieblichen Altersvorsorge (Zusatzversorgung VBL)
- Ausweitung von Homeoffice- und mobilen Arbeitsregelungen
- Attraktivitätszulagen für Mangelberufe (z. B. Pflege, Kita-Fachkräfte, IT)
- Nachwuchsförderung: Übernahmegarantien für Auszubildende und dual Studierende

TVöD (VKA) vs. TV-L: Unterschiedliche Forderungsrunden
TVöD (VKA) und TV-L sind die zwei wichtigsten Tarifwerke im öffentlichen Dienst – sie laufen jedoch in getrennten Verhandlungsrunden, was zu unterschiedlichen Ergebnissen und Zeitplänen führt. Laut praktischkommune.de sollten Jobsuchende genau wissen, welcher Tarifvertrag für die angestrebte Stelle gilt.
TVöD VKA: Kommunen und Stadtwerke
Der TVöD VKA (Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst – Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände) gilt für rund 2,5 Millionen Beschäftigte bei Städten, Gemeinden, Landkreisen, Stadtwerken, Abfallwirtschaftsbetrieben und kommunalen Krankenhäusern. Die Tarifrunde 2026 für den TVöD VKA ist besonders relevant für kommunale Jobs in Städten wie Berlin, München, Hamburg, Köln und Essen. Mehr dazu lesen Sie im Artikel Tarifvertrag öffentlicher Dienst VKA 2026: Alles Wichtige.
TV-L: Länderbeschäftigte in 14 Bundesländern
Der TV-L (Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst der Länder) gilt für ca. 3,4 Millionen Beschäftigte in 14 der 16 Bundesländer (außer Hessen und Berlin). Dazu zählen Lehrberufe, Hochschulverwaltungen, Forstämter, Straßenbauämter und Landesbehörden. Die Forderungen der Gewerkschaften für den Tarifvertrag öffentlicher Dienst Länder 2026 unterscheiden sich leicht von jenen für den TVöD VKA – meist werden sie aber zeitversetzt verhandelt und orientieren sich aneinander. Details zum Geltungsbereich erklärt der Artikel Tarifvertrag öffentlicher Dienst: Geltungsbereich 2026 erklärt.
Gehaltsentwicklung im öffentlichen Dienst: Tabelle 2026
Die folgende Tabelle zeigt, wie sich ausgewählte Entgeltgruppen gemäß TVöD 2026 (nach der aktuellen Tarifrunde) entwickelt haben – im Vergleich zu den Vorjahreswerten. Alle Angaben in Euro brutto/Monat, Vollzeit, Stufe 3 (Erfahrungsstufe nach ca. 3–6 Jahren).
| Entgeltgruppe | Beschäftigungsbeispiel | Brutto/Monat 2025 | Brutto/Monat 2026 (ca.) | Erhöhung |
|---|---|---|---|---|
| EG 3 | Hilfskräfte, einfache Verwaltung | 2.480 € | 2.680 € | +~8 % |
| EG 5 | Verwaltungsfachangestellte (Ausbildung) | 2.820 € | 3.045 € | +~8 % |
| EG 6 | Erzieher/in, Sachbearbeitung | 3.000 € | 3.240 € | +~8 % |
| EG 9a | Verwaltungsfachwirt/in, Sozialarbeiter/in | 3.610 € | 3.900 € | +~8 % |
| EG 11 | Ingenieur/in, Jurist/in (Einstieg) | 4.210 € | 4.550 € | +~8 % |
| EG 13 | Akademiker/in, höherer Dienst | 5.000 € | 5.400 € | +~8 % |
| EG 15 | Führungskräfte, Amtsleitung | 6.200 € | 6.700 € | +~8 % |
Hinweis: Die Werte für 2026 sind auf Basis der Tarifrunde 2026 (gemäß TVöD 2026) berechnet. Genaue Tabellenwerte variieren je nach Bundesland und Arbeitgeber. Nutzen Sie den TVöD Gehaltsrechner für Ihre persönliche Berechnung.

Was bedeuten die Tarifergebnisse für Beschäftigte?
Tarifergebnisse wirken sich unmittelbar auf das monatliche Bruttogehalt aller tariflich Beschäftigten im öffentlichen Dienst aus – egal ob in der Stadtverwaltung Stuttgart, im Jugendamt Hannover oder bei den Stadtwerken Wiesbaden. Aber nicht nur das Gehalt zählt.
Schritt-für-Schritt: So rechnen Sie Ihre Gehaltserhöhung aus
- Aktuelle Entgeltgruppe und Stufe bestimmen — Schauen Sie in Ihren Arbeitsvertrag oder fragen Sie die Personalabteilung: Welche EG und Stufe sind für Sie einschlägig?
- Aktuellen Tabellenwert nachschlagen — Die gültigen TVöD-Tabellen 2026 finden Sie auf praktischkommune.de unter TVöD & TV-L Gehaltsrechner. Geben Sie EG und Stufe ein.
- Erhöhungsprozentsatz anwenden — Multiplizieren Sie Ihren bisherigen Tabellenbrutto mit dem vereinbarten Prozentsatz (z. B. 1,08 bei 8 %). Beachten Sie: Sockelbeträge werden erst addiert, dann der prozentuale Anteil gerechnet.
- Einmalzahlungen berücksichtigen — Viele Tarifrunden enthalten steuer- und sozialversicherungsfreie Einmalzahlungen (z. B. Inflationsausgleichsprämie). Diese erscheinen einmalig auf Ihrer Abrechnung.
- Nettowirkung abschätzen — Brutto-Erhöhungen kommen nicht vollständig im Netto an. Als Faustregel gilt: Netto bleibt bei einer Gehaltserhöhung etwa 60–65 % der Brutto-Erhöhung übrig (je nach Steuerklasse und Sozialabgaben).
Auswirkungen auf Sonderzahlungen und Altersvorsorge
Gehaltserhöhungen wirken sich nicht nur auf den monatlichen Lohn aus. Auch das Weihnachtsgeld (Jahressonderzahlung), die leistungsorientierte Bezahlung (LoB) und die Betriebsrente über die Versorgungsanstalt des Bundes und der Länder (VBL) steigen mit, da diese prozentual oder anteilig auf dem Tabellenentgelt beruhen. Beschäftigte im Sozialbereich – etwa im Jugendamt – profitieren besonders von Sockelbetrag-Regelungen, die die unteren EG stärker anheben.
5 Tipps, wie Sie von Tarifergebnissen optimal profitieren
- Entgeltgruppe prüfen lassen: Viele Beschäftigte sind falsch eingruppiert. Eine korrekte EG kann mehrere hundert Euro Unterschied pro Monat bedeuten.
- Betriebsrat einbinden: Der Betriebsrat überwacht die korrekte Umsetzung von Tarifergebnissen im Betrieb und kann bei Problemen helfen.
- Stufenaufstiege im Blick behalten: Neben Tariferhöhungen steigen Sie nach bestimmten Dienstzeiten automatisch in höhere Stufen – das bringt zusätzliches Gehalt.
- Einmalzahlungen korrekt versteuern: Steuerfreie Inflationsausgleichsprämien (bis 3.000 €) sollten korrekt auf der Lohnabrechnung ausgewiesen sein.
- Auf neue Stellen achten: Tarifergebnisse machen öffentliche Jobs noch attraktiver. Aktuelle kommunale Stellenangebote finden Sie täglich aktuell auf praktischkommune.de.
FAQ: Häufige Fragen zu Tarifvertrag öffentlicher Dienst und Forderungen
Was fordern Gewerkschaften im Tarifvertrag öffentlicher Dienst 2026?
Die Gewerkschaften – allen voran ver.di und der dbb – fordern 2026 deutliche Lohnerhöhungen für alle Beschäftigten im öffentlichen Dienst von Bund, Ländern und Kommunen. Konkret stehen Forderungen nach prozentualen Gehaltserhöhungen sowie Sockelbeträgen im Raum, um Niedriglohngruppen stärker zu entlasten. Außerdem werden verbesserte Arbeitsbedingungen, mehr Urlaubstage und Regelungen zur Arbeitszeitflexibilität gefordert.
Gilt der Tarifvertrag öffentlicher Dienst auch für Beamte?
Nein, Beamtinnen und Beamte fallen nicht unter den TVöD oder TV-L. Für sie gelten eigene Besoldungsgesetze des Bundes bzw. der Länder. Tarifergebnisse werden jedoch häufig auf die Beamtenbesoldung übertragen, sodass Beamte indirekt von Tarifrunden profitieren können.
Was ist der Unterschied zwischen TVöD (VKA) und TV-L?
Der TVöD (Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst) gilt für Beschäftigte bei Bund und Kommunen (VKA = Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände). Der TV-L regelt die Arbeitsverhältnisse bei den Ländern – mit Ausnahme von Hessen und Berlin, die eigene Tarifverträge haben. Gehaltstabellen, Laufzeiten und Forderungsrunden laufen für TVöD und TV-L oft getrennt.
Wann finden die nächsten Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst statt?
Tarifverhandlungen finden in der Regel alle zwei bis drei Jahre statt. Für die Länder (TV-L) werden die nächsten Verhandlungsrunden 2026/2027 erwartet. Die konkreten Verhandlungstermine werden von ver.di und dbb bekanntgegeben. Aktuelle Informationen dazu veröffentlicht praktischkommune.de regelmäßig im Blog.
Wie wirken sich Tarifergebnisse auf mein konkretes Gehalt aus?
Jede prozentuale Erhöhung wirkt sich auf alle Entgeltgruppen und -stufen aus. Bei einem Sockelbetrag profitieren vor allem niedrige Entgeltgruppen überproportional. Nutzen Sie den interaktiven TVöD & TV-L Gehaltsrechner auf praktischkommune.de, um Ihr persönliches Bruttogehalt nach aktuellen Tarifergebnissen zu berechnen.
Fazit: Tarifvertrag öffentlicher Dienst Forderungen 2026 – Was Sie jetzt wissen müssen
Die Forderungen im Tarifvertrag öffentlicher Dienst 2026 sind ambitioniert und spiegeln den gestiegenen Druck wider: Inflation, Fachkräftemangel und zunehmende Konkurrenz mit der Privatwirtschaft zwingen die öffentliche Hand, attraktivere Arbeitsbedingungen zu bieten. Ob TVöD VKA für Kommunen oder TV-L für die Länder – beide Tarifsysteme stehen 2026 vor wichtigen Weichenstellungen. Gerade für Jobsuchende ist das eine gute Nachricht: Der öffentliche Dienst investiert in seine Beschäftigten, bietet sichere Arbeitsplätze und einen klar geregelten Lohnrahmen.
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